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09.12.2010 / 16:02 | Veröffentlichungen
Weihnachtsbrief 2010

Denn wir wissen, was wir tun…

Diejenigen, die immer nur das Mögliche fordern, erreichen gar nichts.
Diejenigen, die aber das Unmögliche fordern, erreichen wenigstens das Mögliche.
Michail Bakunin

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Dezember 2010

Liebe Davids,

„…und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen…“ Unsere Friedenssehnsucht ist zum Weihnachtsfest 2010 auf eine harte Probe gestellt:
Wider besseres Wissen hat die schwarz-gelbe Bundesregierung mit der Laufzeitverlängerung älterer Atomkraftwerke - zutreffend als Schrott-Reaktoren bezeichnet - eine Todsünde an unserer immer noch freiheitlich demokratischen Gesellschaft begangen.
Damit hat sie ohne Not eine grundsätzlich auf Vertrauen und gegenseitigen Respekt beruhen-de Geschäftsgrundlage gegenüber der Mehrzahl ihrer BürgerInnen zerstört. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hat sich eine demokratisch gewählte Regierung so offen und schamlos zum Büttel knallharter Kapitalinteressen der vier großen Energiekonzerne, den klassischen und wieder einmal unbelehrbaren Atom-Goliaths gemacht.

Wir haben intensiv zusammen mit anderen Umweltgruppen diese Entscheidung zu verhindern ver-sucht – leider vergeblich. Dabei war unser Kernargument: je älter ein Atomreaktor (das gleiche gilt für jede technische Anlage, Maschine oder ein Auto), desto größer die statistisch nachgewie-sene Störanfälligkeit.
Aber im Gegensatz zu allen anderen technischen Anlagen gilt bei Atom-Anlagen die Besonderheit: jede Panne, jeder Unfall, bei dem auch nur geringe Mengen an Radioaktivität freigesetzt wer-den, hat tödliche, irreversible Auswirkungen auf Leben und Gesundheit von Menschen, Tie-ren und Pflanzen. Ein jederzeit möglicher, bei älteren Atomkraftwerken sogar wahrscheinlicher GAU bedeutet das Ende dieser Zivilisation.

Damit verstoßen die Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Minister gegen ihren Amtseid, der sie verpflichtet, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden.

Unter diesem Gesichtspunkt ist die Entscheidung zur Laufzeitver-längerung ein Menschheits-Verbrechen ohne Beispiel, für das diese Regierung die volle Verantwortung trägt. Hier bekommt der bekannte Slogan von Bert Brecht „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“ eine aktuelle Bedeutung.

Es ist kein Wunder, wenn immer mehr BürgerInnen nicht nur dieser Regierung, sondern dem gesam-ten System der repräsentativen parlamentarischen Demokratie den Rücken zukehren. Noch nie war das Ansehen politischer Repräsentanten niedriger als heute. Wie auch die aktuellen Auseinanderset-zungen um Stuttgart 21 zeigen - wo wir die Parkschützer aktiv gegen die beginnenden Baumfällungen unterstützt haben - sind immer weniger BürgerInnen bereit, politische, selbst gerichtliche Entscheidungen, besonders zu Großprojekten zu akzeptieren, wenn deren Zielsetzung ihnen fragwürdig erscheint. Diese wachsende Kluft zwischen Regierung und dem „Volk“ als eigentlichen Souverän, kann keine auch noch so gut gemeinte „Schlichtung“ überbrücken. Denn in Stuttgart wollen die Demonstranten aus guten Gründen kein abgespecktes oder verbessertes Stuttgart 21, sondern sie wollen dieses fehl geplante Bahnhofprojekt als Symbol für einen zerstörerischen Wachstumskurs des „immer mehr, immer schneller, immer größer“ überhaupt nicht.

Zu dem wachsenden Vertrauensverlust trägt auch die offenkundige Unfähigkeit der politi-schen Repräsentanten bei, die im Kern unsolide, um nicht zu sagen strukturell kriminelle na-tionale und internationale Finanzordnung, zu reglementieren und zu kontrollieren. Mit der größten Selbstverständlichkeit werden Milliarden von Steuer- also Bürger- Geldern, zum Stopfen von durch gescheiterte Finanzspekulationen aufgerissene Löcher verwandt: Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste sozialisiert! Diese öffentlichen Gelder fehlen natürlich an anderen Stellen, sozialen Einrichtungen, Universitäten und Kindergärten. Dabei ist völlig unverständlich, dass keiner der Finanz-Bankrotteure zivil- oder strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen wird.

Vor diesem Hintergrund muss die Erhöhung von Hartz IV Leistungen um 5 Euro wie blanker Hohn erscheinen. So verwundert es nicht, wenn immer mehr Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen unserem repräsentativen demokratischen System enttäuscht und verbittert die Loyalität aufkündigen.

Damit diese tiefgreifende Krise der repräsentativen Demokratie nicht zu einer Staatskrise wird, muss als Sofortmaßnahme das Instrument eines Volksentscheids auf Bundesebene in unser Grundge-setz aufgenommen werden.
Diese Forderung haben wir zum wiederholten Male, und ich persönlich zuletzt in der „Münchner Runde“, einer Live-TV-Diskussion, u. a. mit dem bayerischen Innenminister, Joachim Herrmann, erhoben; dieser hat zu meiner eigenen Überraschung zugestimmt.

Auch auf der internationalen Ebene haben die Energie-Goliaths genau gewusst, was sie taten: Im Golf von Mexico wurde durch technische Schlamperei und aus Kostenersparnisgründen der größte maritime GAU ausgelöst, als die Ölplattform „Deepwater Horizon“ in Flammen aufgegangen und gesunken ist. Nach einem viel zu kurzen Moment weltweiten Entsetzens ist auch diese nachhaltige Umweltkatastrophe aus dem öffentlichen Bewusstsein entschwunden. Inzwischen wird munter wei-ter in der Tiefsee, risikoträchtig wie bisher, nach Öl gebohrt: Business as usual. Die Umweltschäden sind finanziell nicht wieder gut zu machen. Auch hier sind die Verantwortlichen schadlos davonge-kommen. Diesen beispiellosen Skandal haben wir mit unserer Aktion „Boycott Petrol“ aufgegrif-fen, die eine ungewöhnliche öffentliche Resonanz (u.a. in der ARD-Sendung „Frontal“) gehabt hat und in der Schweiz in Kooperation mit einer großen Werbeagentur durch alle dortigen Medien gegangen ist.


Wir haben also gemäß unserem Motto „Nicht (nur) reden, sondern handeln“, bei diesen Beispielen nicht nur geredet und gewarnt, sondern durch konkrete Aktionen Zeichen zum Aufwachen „aus dem tödlichen Schlaf vermeintlicher Sicherheit“ gesetzt.
Das haben wir auch mit unserer Broschüre zum Thema „Verbot von Kommerzwerbung an Kirchen“ getan, darin haben wir den schändlichen Kniefall der katholischen Kirche in Bayern unter der Ägide des neu ernannten Kardinals Reinhard Marx vor der Macht des Mammon dokumentiert. Denn er trägt die Verantwortung für die Kommerzwerbung für Luxusautos, Lotterie und Computerspiele an der traditionsreichen Michaelskirche und dazu noch in der Weihnachtszeit. Erst durch unsere nachhaltigen Proteste konnten wir ein Werbeverbot erreichen. Wir haben den Murx von Marx phantasievoll, gewaltfrei erfolgreich ein Ende gesetzt.
Was ist in dieser sich immer deutlicher abzeichnenden beispiellosen, ökonomischen, ökologischen und sozialen und globalen Krise zu tun? Woher können wir trotzdem auch angesichts der aktuellen hochbrisanten Enthüllungen von WikiLeaks, die die Welt als Schauplatz von korrupten und gewalttätigen Polit- und sonstigen Kriminellen, für die der Zweck jedes Mittel heiligt, Kraft schöpfen?
Friedrich Hölderlin hat unsere Perspektive der Hoffnung in die wunderbaren Worte gekleidet „wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch“.
Immer mehr Menschen haben die Zeichen der Zeit erkannt, die nach radikalen Veränderungen im Innen und Außen gerade zu zwingend einfordern. Sie erwarten nicht mehr länger die notwendigen Veränderungen von außen, also von Regierungen, Wirtschaftsunter-nehmen, Religionsgemeinschaften, durch Gesetze, Verordnungen oder Produkte, sondern sie schließen sich in Zirkeln des Lebens zusammen und übernehmen immer mehr Verantwortung für sich selber, ihre Familien und die Gesellschaft. Sie wissen und beachten längst, dass sie bei jedem Einkauf an der Ladenkasse eine Entscheidung für oder gegen die Umwelt treffen, achten bei Geldanlagen nicht nur auf die Rendite, sondern dass die betroffenen Menschen und Natur nicht zu kurz kommen. Die-sen „Menschen im Aufbruch“ ist es längst selbstverständlich, Körper, Seele und Geist durch eine gesunde Ernährung, ausreichende Bewegung und Meditation und Gebet im Gleichgewicht zu hal-ten. Sie achten bewusst, was sie an geistiger Nahrung in Form von Büchern, von Filmen, Zeitun-gen und Gesprächen aufnehmen und betätigen immer öfter den Abschaltknopf am Fernseher. Sie haben Solaranlagen auf dem Dach, haben auch kleinste Garten- und Balkonflächen in blühende Biotope umgewandelt. Sie reden nicht nur vom Frieden, sondern leben ihn, sie sind achtsam und liebevoll zu allen Mitmenschen. Sie sind politisch und spirituell zu gleich, sie demonstrieren und meditieren. Diesen Menschen im Aufbruch ist jedes Leben heilig; sie sehen sich selbst als Teil im unendlichen Netzwerk des Lebens, dass Himmel und Erde durchdringt, und die wissen, dass das eigene Wohlergehen vom Wohlergehen der anderen abhängt und: sie nehmen sich nicht so wich-tig, können über sich lachen Und sich auch verzeihen, wenn sie wieder einmal das Gegenteil von dem tun, was sie eigentlich tun wollten..
Wer diese Menschen im Aufbruch sind und wo wir sie finden? Ganz einfach, das sind alle lern- und einsichtsfähigen Davids und Goliaths. Schau doch mal in den Spiegel – dort wirst du einen von ihnen finden.
Zum Schluss möchten wir eine geplante Änderung unseres Logos ansprechen: die Bewältigung der globalen Über – Lebenskrise und die Öffnung zu einer überfälligen humanen und sozialen auf Gerechtigkeit, Freiheit, Barmherzigkeit und Toleranz beruhenden Globalisierung bedarf der ach-tungsvollen und entschlossenen Kooperation aller Davids und Goliaths: die Überwindung aller Ge-gensätze zwischen Religionen, Geschlechtern, Nationen und Rassen und natürlich auch zwischen
Davids und Goliaths ist das Gebot der Stunde. Deshalb möchten wir 24,5 Jahre nach Tschernobyl unser Logo den neuen Herausforderungen, die nur gemeinsam zu bewältigen sind, anpassen. Eure/Ihre Meinung dazu ist uns wichtig.
Mit hoffnungsvollen Grüßen und Wünschen für ein gesegnetes Weihnachten und ein glückliches gesundes Neues Jahr.

Ihr/Euer Bernhard Fricke
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Aktuelle Veranstaltungen in der Sonnen-Arche:
(bitte auch aktuelle Termine auf unserer Internetseite www.davidgegengoliath.de beachten)
- Sa, 11.12.2010, 18.00 Uhr: Gospel-Christmas (mit Anke Maria Caspari und Voices of Praise, Filmpremiere „Sonnen Blicke“ (Film über Sonnen-Arche von Alexander Räss, Preis-träger des DaGG-Jugendpreises „Davidsschleuder“ 2009 )
- So, 19.12.2010, 11.00 Uhr: Lesung mit Musik und Glühwein „Irgendwas muss dran sein: Wahre Geschichten über Begegnungen mit Gott“ von und mit Susanne Aernecke, ZDF-Journalistin; zum 2. Mal der Sonnen-Arche-Film „Sonnen Blicke“




von: Maria Ernst

www.davidgegengoliath.de
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