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25.04.2016 / 17:25 | News | Newsletter-Archiv
Newsletter vom 25.4.2016
    Bild wurde überspielt von: Maria Ernst Gedanken zum 30. Tschernobyl-Jahrestag



Was hilft aller Sonnenaufgang,
wenn wir nicht aufstehen?
(Georg Christoph Lichtenberg)

Liebe Davids,

wie schnell doch 10-Tausend Jahre vergehen,

was nach Aussage der Physiker höchstens einmal in 10.000 Jahren hätte geschehen können, ist bis jetzt schon in nicht einmal 40 Jahren dreimal geschehen:

• 1979: Atomunfall in Harrisburg. Der US Atommeiler Three Mile Island gerät außer Kontrolle gerät - der bis dahin schwerste Unfall in einem Atomkraftwerk
• 1986: Der Reaktorblock 4 in Tschernobyl explodiert - der weltweit schwerste Unfall in der zivilen Nutzung der Atomenergie. Eine radioaktive Wolke zieht durch halb Europa und verbreitet Angst und Schrecken
• 2011: In dem Hightechland Japan explodieren nacheinander 4 Siedewasser-Reaktoren in Serie und Schuld ist nicht allein der Tsunami sondern technische Mängel, z.B. fehlte eine externe Notstromversorgung für die Kühlung der havarierten Reaktoren.

Jetzt also jährt sich morgen zum 30. Mal die Atomkatastrophe von Tschernobyl. Fast jeder von uns, der vor 1970 geboren ist, erinnert sich genau daran, was er gerade gemacht hat, als er von dem Reaktorunglück in der Ukraine erfahren hat, welche Ängste uns quälten, gerade auch diejenigen, die kleine Kinder hatten, wie man versuchte, damals noch über Telefonketten, sich gegenseitig zu informieren und auf dem Laufenden zu halten, wie manche Lebensmittel horteten, weil man nicht mehr wusste, was man noch essen darf - und wie völlig hilflos und unverantwortlich Politik und Behörden reagierten, wer denkt nicht an das Bild von dem verseuchtes Milchpulver kostenden damaligen bayerischen Umweltminister Alfred Dick. Und viele wurden wütend: wütend, weil die Gefahren der Atomkraft, vor denen viele verantwortungsbewusste Wissenschaftler, Politiker und die durchaus präsente Anti-Atomkraftbewegung schon immer gewarnt hatten, von den Atom-Goliaths aus Wirtschaft und Politik konsequent ignoriert worden waren und wütend, weil man auch jetzt angesichts der Katastrophe, nur tröpfchenweise mit Informationen herausrückte und die Gefährdung der Menschen in Deutschland nach wie vor klein redete. Für uns Davids war klar: Wir wollten nie wieder hilfloses Opfer der Machenschaften der Atomindustrie sein und mit aller Kraft für einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie kämpfen, denn es war uns bewusst, dass sich ein atomarer GAU, jederzeit und überall, auch bei uns, wiederholen könnte. Das war die Geburtsstunde von David gegen Goliath e.V..

Mit vielen unterschiedlichen Aktionen, wie Anzeigenkampagnen, Kundgebungen, Konzerten, Aufrufen etc. haben wir seitdem für ein schnellen Ausstieg aus dem Atomstroms geworben und einen forcierten Ausbau der erneuerbaren Energien gearbeitet – und auch einiges erreichen können. So beträgt der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch inzwischen 35% und das, obwohl die Atomkonzerne früher behauptet haben, dieser könnte nie mehr als 4% erreichen. Der Atomstromanteil bei uns fiel von 16% auf 11% und die Lichter sind nicht ausgegangen. Das Ziel, dass erneuerbare Energien (Wind, Wasser, Solar, Biomasse, Geothermie) uns in absehbarer Zeit zu annähernd 100% versorgen, ist erreichbar, durch den weiteren Ausbau, Energieeffizienz und Energieeinsparung.

2001 unterschreiben Bundesregierung und Energieversorger die politische Vereinbarung zum Atomausstieg. Es folgte ein Ausstiegsgesetz. Der Neubau kommerzieller Atomkraftwerke wurde verboten und für die noch laufenden Atommeiler wurden Reststrommengen festgelegt.

Doch wie lange halten Gesetze? Auf Initiative der christlich-liberalen Bundesregierung kippt 2011 der Bundestag den Ausstieg und beschließt eine Laufzeitverlängerung von acht Jahren für ältere und vierzehn Jahren für neuere Atommeiler.

Erst als 2011 unsere schlimmsten Befürchtungen wahr wurden und sich im japanischen Fukushima erneut eine nukleare Katstrophe ereignete, schreckten viele Menschen wieder auf und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (die kurz davor, als promovierte Physikerin die Atomenergie noch als sicher eingestuft hatte) sah sich gezwungen, doch sehr spontan erneut den Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie – bis 2022 – zu erklären. Allerdings mit der Folge, dass die Atomkonzerne die Regierung mit Entschädigungsforderungen und der Forderung, die Kosten und Risiken der Entsorgung ihres Atommülls zu übernehmen, unter Druck setzen.

Und heute – 5 Jahre nach Fukushima und 30 Jahre nach Tschernobyl? Zwar gibt es anlässlich des Jahrestages der Katastrophe zahlreiche TV-Dokumentationen, Sonder-Sendungen, Artikel und Veröffentlichungen, es wird der Katastrophe gedacht, aber es erfolgt kein Handeln daraus und schon in ein paar Tagen stehen andere Themen auf der Tagesordnung. Es wird auch schon wieder abgewiegelt. BR-Fernsehen Süd 19. 4. 22.00 Uhr: "Faszination Wissen": sinngemäß: Die Halbwertzeit von radioaktiven Cäsium 134 beträgt etwas mehr als 30 Jahre, also ist jetzt der damalige über Bayern niedergegangene Fallout nicht mehr halb so gefährlich. Es wird mit der natürlichen äußeren Strahlenbelastung verglichen. Dabei wird unterschlagen, dass das Cäsium immer noch vorhanden ist und von Mensch, Tier und Pflanzen wie der Mineralstoff Magnesium aufgenommen wird, also innerlich weiterstrahlt. Es gibt es keinen Grund, sich jetzt zurück zu lehnen, denn die Probleme und Gefahren der Atomkraft sind genauso groß wie je zuvor.

• Der Umkreis von Tschernobyl ist nach wie vor strahlenverseucht, über den alten Sarkophag wird gerade eine Kuppel aus Stahl gebaut, die für 80– 100 Jahre halten soll und dann?
• Noch immer sind in Deutschland 8 Atomkraftwerke am Netz
• Weltweit werden 444 AKWs betrieben, in Europa noch 27 an 12 Standorten, viele davon in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze, dazu 7 Forschungsreaktoren und 3 Anlagen der nuklearen Ver- und Entsorgung.
• Noch immer sind in Regionen des bayerischen Waldes und Oberbayern die Wildschweine und Pilze radioaktiv so verseucht, dass sie nicht zum Verzehr geeignet sind (die Jäger erhalten Entschädigungszahlungen)
• Die deutsche Atomwirtschaft hat noch lange nicht aufgegeben und versucht mit allen Mitteln, den Ausstieg zu verzögern oder ganz zu verhindern (z.B. Klage vor dem Bundesverfassungsgericht im März, die zwar abgewiesen wurde, aber es ist anzunehmen, „da kommt noch mehr“)
• Der Ausbau der regenerierbaren Energien wird zunehmend erschwert: Das wirtschaftlich enorm erfolgreiche Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) soll mit dem harmlos klingenden System der Ausschreibungen und Abschaffung fester Vergütungen abgewürgt werden. Die Bayerische 10H-Verordnung verlangt für Windkraftanlagen eine Abstand zur nächsten Wohnbebauung von mindestens 10x der Höhe und verhindert damit fast vollkommen den weiteren Ausbau der regionalen Windenergie (hoffen wir, dass die dagegen derzeit beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof anhängige Klage -Urteilsverkündigung am 9. Mai - Erfolg hat). Gleichzeitig wehrt man sich gegen den Bau neuer Stromtrassen aus dem windreichen Norden. So werden Strukturen geschaffen, die einen Ausstiegt faktisch nicht zulassen.
• Die Gefahr eines terroristischer Angriffs auf ein AKW rückt in greifbare Nähe, wie es inzwischen auch von der Bundesregierung eingeräumt wird.

Wir wollen Ihnen Mut machen, mit uns den Davids-Weg der kleinen Schritte weiter zu gehen und bitten Sie, uns auch weiterhin auch finanziell zu unterstützen, damit wir unsere Aktionsfähigkeit aufrecht erhalten können.

Mit herzlichen Grüßen

aus der DaGG-Geschäftsstelle

von: Maria Ernst

www.davidgegengoliath.de
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