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18.09.2009 / 16:20 | News
David gegen Goliath trauert um Seraphina
    Bild wurde überspielt von: Johanna Bassler Deutschlands berühmtestes Schaf starb im Alter von 13 Jahren
David gegen Goliath und Bernhard Fricke trauern um Seraphina, Deutschlands berühmtestes Schaf und erfolgreichster Botschafter der Nutztiere bei den Menschen: Gestern starb Seraphina im Alter von 13 œ Jahren

„Seraphina ist gestern in meinen Armen in der Münchner Unitierklinik für Wiederkäuer friedlich eingeschlafen. Die besten und noch dazu menschlichsten Münchener Tierärzte haben vier Tage um ihr Leben gekämpft, aber ein altersbedingter Eiweißmangel mit schwersten Stoffwechselstörungen konnte nicht mehr therapiert werden. Seraphina hat nicht nur in meinem Leben tiefste Spuren und Einsichten hinterlassen, sondern weit über München hinaus bei ihren vielen öffentlichen Auftritten bei David gegen Goliath-Aktionen daran erinnert, dass sogenannte (nur zum Schlachten bestimmte) „Nutztiere“ ein Recht auf ein eigenständiges Leben in Würde haben“, so Bernhard Fricke.
Seraphina war gerade rechtzeitig vor dem Osterfest 1996 von Frickes Freundin Susanne und Tochter Janina ausgesetzt allein in der Abenddämmerung am Allacher See gefunden worden.
Offenkundig war sie für das spannende und ereignisreiche Leben an der Seite „eines öffentlichen Menschens“ und großen Tierfreundes bestimmt.
Schon in der ersten Nacht ihres Lebens außerhalb ihrer Schafherde in einer Wohnung der Münchner Lindwurmstraße fühlte sie sich zu Hause und eroberte im Nu das Herz ihres guten Hirten Bernhard Fricke. Der russische Barsoi-Windhund Don hatte zunächst ein eher zwiespältiges Verhältnis, zu diesem draufgängerischen und immer hungrigen Wesen.
„Das größte infrastrukturelle Problem im Zusammenleben mit Seraphina war die Organisation immer größer werdenden Windeln, da Schafe bekanntlich nie stubenrein werden. Wir haben damals mit allen Münchner Sanitätshäusern in Verbindung gestanden und hielten nach immer größeren Übergrößen Ausschau“, so erinnert sich Bernhard Fricke.
Seraphinas erster öffentlicher Auftritt als Botschafter ihrer Nutztier-Kollegen vor der Münchner Presse war Ostern 1996 bei einer großen Pressekonferenz unter anderem mit drei TV-Stationen „Osterlämmer gehören auf die Weide und nicht in den Kochtopf“. Hier lebte sie ihre zutiefst anarchische Gesinnung aus und zerlegte als erste nachhaltige Tat das Mikrophon eines Sat-Kameramannes und sorgte so für die erste öffentliche Aufregung.
Beim Antrittsbesuch bei Oberbürgermeister Christian Ude, sorgte eine kleine, allerdings nur rein pflanzliche Hinterlassenschaft, für größere Aufregung beim Putzdienst des Rathauses, tat aber dem offenen Gedankenaustausch zwischen Schafhirten und OB keinen Abbruch.
Stadtgeschichte schrieb Seraphina bei der Erörterung der philosophisch konkreten Frage, die anlässlich einer MVV Kontrolle aufkam, „Ist ein Schaf ein Hund oder eine Katze“?
Hunde benötigten damals noch eine eigene Fahrkarte, während Katzen freie Fahrt hatten.
Dieses Problem wurde zur Freude aller Münchner Hundebesitzer dadurch erfolgreich gelöst, dass aufgrund einer Initiative von DACG-Stadtrat Bernhard Fricke der Münchner Stadtrat einstimmig „freie Fahrt für Münchner Zamperl“ beschloss.
Eine lebensbedrohliche Krise mussten Fricke und Seraphin überstehen als Fricke sein Schaf vor laufender Kamera als Protest gegen eine tierquälerische EU-Politik, die eine schon damals mögliche Schutzimpfung gegen die Maul und Klauenseuche (MKS) zum damaligen Zeitpunkt strikt verboten hatte und dadurch den schrecklichen Tod („Marktbereinigung“) von hundertausenden von Rindern, Schafen und Ziegen in Kauf nahm, mit einem illegal besorgten Impfstoff impfte.
Seraphinas Leben wurde danach von aufgehetzten Bauern bedroht. Fricke musste sie in vier Nachtwachen auf dem Land vor Übergriffen schützen. Den Höhepunkt erreichte diese Krise als ein dpa-Reporter Fricke anrief und ihn fragte, „Der Bauernverband hat eine Verbrennung ihres Schafes gefordert. Was sagen Sie dazu?“ Ohne einen Moment zu zögern antwortete er, „Wer mein Schaf verbrennt, muss mich verbrennen!“
Seraphina kam mit zwei anderen Schafen, Schneeweiß und Rosenrot, in Staatsschutzhaft in die Klinik für Wiederkäuer in Oberschleißheim.
Die Erlösung für Seraphina und damit auch für Fricke kam, als sich nach Wochen herausstellte, dass der Impfstoff für MKS-Schutzimpfungen ungeeignet war.
In einer weiteren öffentlichen Aktion wurden Seraphinas erste Lämmerzwillinge als Zeichen des Protestes gegen den gerade begonnenen Irak-Krieg Joy und Salam getauft.
Wenig später geriet Seraphina wieder in das Blickfeld von Oberbürgermeister Christian Ude:
Als der OB seine Stadtratskollegen nach einem andauernden Hunger- und Durststreik als Protest gegen die Abholzung von 40 gesunden Bäumen für den unsinnige Bau der Schrannenhallen per Handy in der Baumkrone anrief und ihn mit den Worten begrüßte, „Bernhard, wir sind sehr besorgt um dich“, ging Frickes Antwort in die Stadtgeschichte ein, „Christian, mach dir keine Sorgen, ich werde Seraphina nicht so schnell zur Witwe machen“, was zunächst für Verblüffung, und dann für schallendes, befreiendes Gelächter sorgte.
Acht Jahre lebte Seraphina in einer kleinen Schafsherde mit sechs ihrer inzwischen groß gewordenen Kindern (u.a. mit Lieblingstochter Sunshine, Enkeln und Urenkeln) in der Sonnen-Arche, dem Umwelt- und Begegnungszentrum von David gegen Goliath im Chiemgau.
Bis zuletzt hat sie sich als bayerische Genießerin mit Weißbier und Spaghetti und gelegentlich einem Schluck Champagner gezeigt.
Wenn sie, wie kürzlich, in einem Biergarten auftauchte, war sie immer von Kindern umringt. „Mei, schau ma da is a Schafi, darf i de streicheln?“ Frickes Antwort, „das ist kein Schaf, das ist Seraphina. Du darfst sie gerne streicheln wenn du ihr versprichst, mit deiner Mami und Papi kein Fleisch mehr zu essen“.
„Ich bin sicher, dass Seraphina sich inzwischen schon einen guten Platz in der Milchstraße erobert hat und dort für genauso viel fröhliche Unruhe sorgen wird, wie hier unten auf der Erde“, so Bernhard Fricke.

von: Johanna Bassler

www.davidgegengoliath.de
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