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26.07.2010 / 16:59 | Wir über uns | Interviews mit Bernhard Fricke
„60 JAHRE UND KEIN BISSCHEN LEISE…WEISE?“
    Bild wurde überspielt von: Maria Ernst GEBURTSTAGS-INTERVIEW MIT BERNHARD FRICKE
    Teil 1 und 2


DaGG: Dein vielfältiges Engagement - David gegen Goliath, Sonnen-Arche, Lokal-Global-Politik - war das schon auf deinem Weg angelegt?

BF: In gewisser Weise schon. Mein Vater Ferdinand war ein sehr auf Ausgleich bedachter, Partei unabhängiger Lokalpolitiker, der immer die Gemeinsamkeiten statt der Unterschiedlichkeiten in den Vordergrund gestellt hat. Diesen Politik-Stil habe ich natürlich mit vielen eigenen Akzenten übernommen. Dies wird in einer meiner Lieblings-Metapher „die großen Koalitionen der Vernunft“ verdeutlicht. Ich glaube, dass unsere heutigen Probleme lokal und global derartig schwerwiegend sind, dass sie nur, wenn überhaupt, gemeinsam von allen am Schicksal unserer Erde interessierten Verantwortungsträgern aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Verwaltung gelöst werden können.
Schon in meiner Schulzeit habe ich mich in der SMV und in derBild wurde überspielt von: Maria Ernst Schülerzeitungsredaktion erfolgreich engagiert. Dabei hat sich mein zugleich pragmatischer und doch wertorientierter Stil entwickelt, zu dem immer Lebensfreude, Begeisterungsfähigkeit und Offenheit für neue Lösungswege gehört haben.

DaGG: Welche Erfahrungen aus Deiner Kindheit und Jugend sind für Deinen Weg besonders wichtig gewesen?

BF: Ich weiß aus allen Zeugnissen, dass ich wirklich mit meiner Zwillingsschwester Anne und meinem Bruder Georg, kein Ausrutscher oder nicht wirklich gewolltes Zufallsprodukt, sondern als gewünschtes und gewolltes Kind der Liebe auf die Welt gekommen bin. Ich bin dann in den Strukturen einer sehr lebendigen Großfamilie mit drei Generationen und vielen Tieren aufgewachsen. Weiter war der Besuch einer Albert-Schweitzer-Unesco-Schule prägend. Der natürliche, dauerhafte Kontakt mit Gleichaltrigen aus Finnland, Dänemark und Schottland hat mir schon früh, trotz Kindheit in einer Kleinstadt im Zonenrandgebiet, den Blick für die Welt geweitet.
Meine vielfältigen sportlichen Aktivitäten, vor allem in Handball und Leichtathletik, haben mir Leistungsbereitschaft und Leistungsfreude, aber auch ein gutes und notwendiges Miteinander mit Mitspielern aus allen sozialen Schichten gelehrt.
Schließlich haben mich seit frühester Bild wurde überspielt von: Maria Ernst Jugend Reisen in die meisten europäischen und viele außereuropäischen Länder zu einem nationale Grenzen übergreifenden Bewusstsein der Einheit mit meinem Mitmenschen und Mitgeschöpfen, Tieren und Pflanzen, geführt.

DaGG: Welche Bedeutung hat die Nazi-Schreckenszeit für Dich?

BF: Diese dunkelste Zeit Deutschlands hat für mich persönlich und später zunehmend politisch eine kaum überbietbare große Bedeutung. Zuerst muss ich sagen, dass ich nur froh sein kann, zu dieser Zeit noch nicht gelebt zu haben, weil ich natürlich nicht sicher sein kann, wie ich den Versuchungen und dem wachsenden Terrordruck widerstanden hätte. Aber ich habe mich wieder und wieder gefragt, wie in einem Kulturland wie Deutschland, das sich als eine Zentralregion des christlichen Abendlandes verstanden hat, alle Moral- und Sittenge¬setze, sowie die staatlichen Gesetze in einer beispiellosen Weise umgekehrt werden konnten und wie sich ohne großen Widerstand ein alle gesellschaftlichen Teilbereiche durchdringen¬des Kapitalverbrecher-Regime geradezu in Windeseile etablieren konnte. Offenkundig war es die besondere geschichtliche Aufgabe von Hitler, bei den meisten Deutschen die schlum¬mernden negativsten, destruktivsten und inhumansten Eigenschaften manifest werden zu lassen. Allerdings hat er bei einigen bewussten und mutigen Bürgern deren inneres Licht umso heller zum Strahlen gebracht und sie ermutigt, oft unter Lebensgefahr, trotzdem und dennoch Taten der Liebe und Menschlichkeit zu begehen und dafür sogar das eigene Leben einzusetzen.
Ich werde nie vergessen, wie unser Unterstützer der ersten Stunde, unser inzwischen leider verstorbene Freund Jörg Hube, in einem grandiosen Monolog dem geschockten Publikum - und damit auch mir - bei einer Sonderaufführung von „Herzkasperl“ zu seinem 60. Geburts¬tag den Satz entgegen schleuderte „Auschwitz ist in jedem von uns!“. Natürlich habe ich mich dagegen aus tiefster Überzeugung lange Zeit dagegen gewehrt. Aber später erkannte ich, dass alles, was um uns herum geschieht, mit jedem von uns etwas zu tun hat. Das hat schon Hermes Trismegistos mit dem Satz „Wie innen, so außen“ vor Urzeiten zum Ausdruck gebracht.
Bei allem Verständnis für die Zwänge der damaligen Zeit und dem offenkundigen Terrordruck der Gestapo u.a. habe ich niemals die Antwort auf meine immer und immer wieder gestellte Frage „Warum habt Ihr Euch nicht entschiedener gegen die offensichtlichen Ver¬brechen der Nazi-Schergen gewehrt?“ „Wir haben nichts gewusst und deshalb nicht gehandelt“ akzeptiert. Brennende Synagogen, misshandelte und deportierte, vormals geachtete jüdische Mitbürger, Verbote aller demokratischen Einrichtungen, die Errichtung von KZs - das geschah unter den Augen der Bevölkerung und an den Massenmorden waren so viele Personen beteiligt, dass auch hier ein Verschweigen einfach nicht möglich war. Es war wohl eher ein Nicht-Wissen-Wollen, nach dem Motto „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“.

DaGG: Gibt es für Dich in diesem Zusammenhang eine „Gnade der späten Geburt“?

BF: Unbedingt. Die Protestmöglichkeiten unter der brutalen Nazi-Diktatur waren mit unmittelbaren Gefahren für Leib und Seele verbunden, während unsere heutige Zeit extrem günstige, gesetzlich weitgehend abgesicherte Rahmenbedingungen für jedes bürger¬schaftliche Engagement bietet. Trotzdem wächst bei uns die Gleichgültigkeit und die Zivilcourage nimmt ab, während ökologische, ökonomische und soziale Probleme die Lebensgrundlage unseres Planeten in Frage stellen.
Ein Onkel von mir war in der Bekennenden Kirche aktiv und saß deshalb einige Zeit im Gefängnis. Auch seine Familie war wegen seines Engagements mit Repressalien bedroht.

Ich habe zwar wegen meines Engagements 5 Gerichtsverfahren über mich ergehen lassen müssen, bei denen ich sehr verständnisvollen Richtern und Staatsanwälten begegnet bin und die im übrigen alle mit Freispruch bzw. Verfahrenseinstellung endeten und ein großer publizistischer Erfolg für unsere Davids-Arbeit waren.
Ehrlicherweise muss ich aber auch für mich Zweifel anmelden, ob ich in der Nazizeit den Mut für vergleichbare Protestaktionen aufgebracht hätte. Dies wäre wahrscheinlich auch nur einmal möglich gewesen.
Ich bin deshalb ausgesprochen dankbar, dass mir derartige Belastungsproben durch meine „späte Geburt“ erspart geblieben sind, aber die Herausforderungen meiner Zeit habe ich mit jedem persönlichen Einsatz angenommen.

DaGG: Du blickst inzwischen auf Jahrzehnte aktiver politischer Arbeit zurück. Was waren dabei Deine Schlüsselereignisse?

BF: Obwohl ich damals noch ein Kind war ist mir der Volksaufstand am 17. Juni 1953, der Ungarn-Aufstand 1956, der von Panzern niedergewalzte „Prager Frühling“, der Putsch und die Ermordung des demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende und natürlich der Vietnam-Krieg in lebhafter Erinnerung. Ich habe sehr intensiv mit den nach Freiheit und einem eigenständigen Leben in Würde strebenden und dafür sterbenden Menschen aus tiefstem Herzen mitgefühlt und fand es absolut schändlich, wie sie der Westen trotz vieler Versprechungen in der Stunde der Not im Stich gelassen hat. Für mich war das ein Schock, wie Ideale von Freiheit, Demokratie und Menschenwürde, die damals und heute immer noch eine große Bedeutung für mich haben, aus Opportunität verraten wurden. Insbesondere kann ich mich noch an eine Fernsehansprache des US-Präsidenten Johnson erinnern, als er durch einen angeblichen Überfall vietnamesischer Zerstörer im Golf von Tonking durch die bösen Kommunisten, eben jene Freiheit und Demokratie in höchster Gefahr sah, die unbedingt mit allen Mitteln verteidigt werden müsste. Ich war damals voll auf seiner Seite. Später stellte sich heraus: alles Lüge, der angebliche Vorfall war von den US-Militärs selber inszeniert, um die dann eskalierenden Bombenangriffe zu rechtfertigen. So musste ich die Lüge als bewährtes Mittel der Machtpolitik kennenlernen. Das hat mich sehr geschmerzt, weil ich mich in meinen guten Gefühlen missbraucht gefühlt habe. Das hängt mir bis heute nach und hat zu einem tiefen Misstrauen gegenüber allen wohl klingenden Appellen, vor allem seitens der sog. „Staaten-Gemeinschaft“ geführt.

DaGG: Aber die Atom-Katastrophe von Tschernobyl war wohl der Ausgangspunkt für Dein zeitlich unbegrenztes „Total-Engagement“ für die Bewahrung der Schöpfung?

BF: Tschernobyl war deshalb für mich so einschneidend, weil ich die lange zuvor be¬schworenen, aber immer wieder geleugneten Gefahren der Atomenergie völlig überraschend sehr unmittelbar miterleben musste. Damals erfuhr ich die Wirklichkeit der bitteren Wahrheit, dass Strahlen keine Grenzen kennen, weil jeder Fluchtweg ausgeschlossen war.
Aus dieser Erfahrung, kein hilfloses Opfer von Umständen sein zu wollen, die die verantwor¬tungs¬losen, um nicht zu sagen verbrecherischen Atom-Goliaths verursacht haben, ist David gegen Goliath entstanden und hat sich bis heute den konsequenten und kreativen Kampf gegen die lebensbedrohliche Atomenergie auf die Fahne geschrieben. Dass nach all diesen einschneidenden Erfahrungen verbunden mit dem Wissen, dass es weltweit keine gesicherte Endlagerung gibt, dass die technischen Sicherheitsprobleme gerade bei älteren Reaktoren überproportional zunehmen und dass die Gefahr von atom-terroristischen Angriffen zu¬nimmt, ernsthaft von der derzeitigen schwarz-gelben Regierung die Verlängerung von Restlaufzeiten erwogen wird, ist Ausdruck einer kranken Geisteshaltung und einer unglaublichen Ignoranz.

Die viel tiefere geistige Dimension von Tschernobyl hat sich mir erst später erschlossen. Die russische Übersetzung bedeutet „bitteres Wasser“. Das führt uns zu der Offenbarung des Johannes, in der in einem apokalyptischen Endszenario der 4. Engel die Posaune blies und alle Wasser bitter, d.h. vergiftet wurden.

Eine ernstere Warnung hätten wir von der geistigen Welt wirklich nicht bekommen können. Allein vor diesem Hintergrund versteht sich die Intensität unseres anhaltenden Engagements: Tschernobyl ist wirklich eine letzte Warnung gewesen. Viel Zeit bleibt uns nicht mehr, darauf zu reagieren und alle Atomanlagen endlich abzuschalten.

DaGG: Eine Besonderheit Deiner politischen Arbeit ist aber, dass Du nicht immer nur gegen, sondern immer mehr für etwas gekämpft hast, z. B. für die Sonnen-Energie. Wie ist es dazu gekommen?

BF: Der von mir hoch verehrte Freund, unser Ehren-Mitglied und Zukunftsforscher Robert Jungk hat mir dazu wertvolle Impulse gegeben. Er wies immer wieder darauf hin, dass Bedrohungsszenarien eher Angst auslösen, dass aber der Kampf für positive Werte die Menschen auf eine viel höher, lichtere Schwingungsebene bringen würde.

Deshalb haben wir uns nach der ersten intensiven Anti-Atom-Kampfzeit, die mit der Verhinderung der WAA Wackersdorf einen positiven Abschluss gefunden hat, verstärkt für den Ausbau der Solar-Energie eingesetzt und unsere Zielrichtung wurde erweitert: Pro Sonne, contra Atom.
Deshalb sind wir in die Rolle einer quasi „Sonnen-Avantgarde“ hineingerutscht und haben das Projekt „Wir machen München zur Solar-Modellstadt“ bereits 1988 aus der Taufe gehoben. Dafür sind wir intensiv als solare Spinner und Fantasten verspottet worden, was uns aber in keiner Weise beeindruckt hat. Immerhin stammt aus dieser Zeit mein schönster Ehren-Titel „Sonnen-König von München“.

Die Zukunftsaufgabe der Menschheit besteht darin, das unerschöpfliche Energiepotenzial, das den Energiebedarf der Welt viel tausendfach übersteigt, durch geeignete Speichermedien nutzbar zu machen. Dazu müsste ein neues „Manhattan-Projekt“, das seinerzeit unter Einsatz jeglicher finanzieller, technischer und organisatorischer Mittel bekanntlich zum Bau der Atombombe geführt hat, aufgelegt werden. Aber daran haben natürlich die mächtigen Atom- und Energie-Goliaths, null Interesse, weil sie Energie als Macht- und Produktionsmittel zentral steuern und vor allem teuer verkaufen wollen.

Das solare Zeitalter und damit die Lösung der Klima- und Energieprobleme könnte längst begonnen haben. Es gibt keinen Grund, länger zu warten.

Die geistige Dimension unseres anfangs eher intuitiv entstandenen Engagements für die Sonne hat sich mir erst später erschlossen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass in vielen alten Kulturen wie der ägyptischen und der aztekischen die Sonne als Symbol des Geistig-Göttlichen verehrt wurde. Und der spirituelle Lebenslehrer Mikhael Omram Aivanhov hat mir die großartige Erkenntnis geschenkt: wenn wir eine Ahnung von Gott geschenkt bekommen wollen, können wir das Licht und die Leben spendende Kraft der Sonne als kleinen Abglanz seiner Herrlichkeit ansehen.

von: Maria Ernst

www.davidgegengoliath.de
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